09. April 2020

KOMMENTAR

von Manfred Radmayr

Umrüsten statt aufrüsten?


m.radmayr@hallo-zeitung.at

„Werden jetzt Pflugscharen zu Schwertern?“ fragte mich mein Freund Werner, nachdem Kanzler Kurz die niederösterreichische Bauernbunddirektorin Klaudia Tanner als erste Verteidigungsministerin aus dem Hut gezaubert hatte. Eine Scherzfrage mit ernstem Hintergrund: Wo soll das finanzmarode Bundesheer Geld für zeitgemäßes Gerät hernehmen, wie seine Ressourcen stabilisieren? Das bisher letzte Mal nahm die Bundesregierung satt Geld in die Hand, um mit den Eurofightern einen milliardenschweren Sargnagel für das Militär anzuschaffen. Bei diesem wie geschmiert gelaufenen Deal hatten Schwarz, Rot und Blau wenig ruhmreich ihre Hände im Spiel. Dass auch Korruption dabei war, konnte man seit Jahren förmlich greifen, wurde aber von einem dichten Interessensnetzwerk erfolgreich zugedeckt, bis nun der Eurofighter-Lieferant EADS vor einem US-Gericht „politische Zuwendungen“ eingeräumt hat. Von 55 Millionen Euro Schmiergeld ist die Rede.
Mit dem Geld, das für die Kampfjets verbrannt wurde, hätte man für’s Bundesheer ein zukunftstaugliches Fundament legen können. Jetzt steht die Landesverteidigung vor der Überlebensfrage. Und das betrifft in Oberösterreich mehr als 3.200 Beschäftigte, die im Vorjahr für Assistenzleistungen 27.600 Mann- und 33 Flugstunden geleistet haben.
Mit eingeschmolzenen Pflugscharen wird man das Heer nicht auf Vordermann bringen können. Sein schlechter Zustand befeuert allerdings die biblische Forderung „Schwerter zu Pflugscharen“ (nachzulesen bei Micha und Jesaja), das vor 40 Jahren zu einem Leitzitat der Friedensbewegung geworden ist. Abrüsten statt aufrüsten, ein Prozess, den in Österreich der Eurofighter-Kauf unterbrochen hat, den aber die Grüne Regierungsfraktion nun weitertreiben könnte, im Sinne der Umrüstung auf eine schlagkräftige Katastrophenschutz-Einheit, auf die im Sog des Klimawandels mehr Einsatzzeiten zukommen könnten als uns lieb ist.
Übrigens findet man in der Bibel nicht nur „Schwerter zu Pflugscharen“, sondern auch das eingangs erwähnte „Pflugscharen zu Schwertern“ (bei Joel). Es wurde 1914 zwei Monate nach Beginn des 1. Weltkrieges bei einer „Eucharistischen Kriegsandacht“ vom Wiener Erzbischof Friedrich Gustav Kardinal Piffl situationselastisch im Wiener Stephansdom gepredigt: „Schmiedet um eure Pflugscharen zu Schwertern und eure Winzermesser zu Lanzen. Wir kämpfen für Gott und unseren heiligen Glauben, für unseren Kaiser und unsere heimatliche Scholle.“ Drei Jahre später wurden die ersten Kirchenglocken beschlagnahmt und zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Das Elend war verheerend und wiederholte sich 20 Jahre später.